Ungerechtigkeiten der aktuellen Corona Verordnung in Hessen für Geschwisterkinder

Der besonderen Bedeutung schulischer Bildung sowie den bisherigen Belastungen der Kinder und Jugendlichen in den vergangenen 18 Monaten hat das Gesundheitsamt bei jeder Entscheidung Rechnung zu tragen.

Erlass zur Absonderungsentscheidungen bei Schülerinnen und Schülern des hessischen Kultus- und Innenministeriums vom 24.08.2021

So heißt es im gemeinsamen Erlass zur Absonderungsentscheidungen bei Schülerinnen und Schülern des hessischen Kultus- und Innenministeriums vom 24.08.2021.

Freitestung für Sitznachbarn Corona-positiver Kindern nach fünf Tagen möglich

In dem Erlass wird klargestellt, dass zukünftig keine geschlossenen Absonderungen ganzer Klassen in Betracht kommt. Für Sitznachbarn von positiv getesteten Kindern muss laut Erlass die Möglichkeit der Freitestung bestehen. Die Freitestung kann mit negativem PCR-Test am fünften Tag nach der Feststellung der auslösenden Infektion erfolgen.

Geschwister mit Corona Fall in der Kita

Aus dieser Regelung ergeben sich Ungerechtigkeiten für Geschwisterkinder. Wird in einer Kindertagesstätte ein Kind positiv getestet, schickt das Gesundheitsamt die ganz Kindergartengruppe in Quarantäne, die verpflichtend 14 Tage dauert. Davon betroffen sind auch die Eltern und Geschwisterkinder als Haushaltsangehörige, denn für diese gilt ein Betretungsverbot für zahlreiche Einrichtungen, wie z.B. die Schule (§ 6 Hess. Corona-VO). Von dem Betretungsverbot sind Geimpfte oder Genesene ausgenommen. 

Ungeimpfte Geschwisterkinder, die schulpflichtig sind, sollen dann für 14 Tage das Betretungsverbot einhalten, dürfen also nicht in die Schule. Auf Nachfrage beim Gesundheitsamt Darmstadt-Dieburg äußert man sich dazu nicht eindeutig. Stattdessen wird auf die Homepage verwiesen.

Der Homepage lässt sich aber entnehmen:

„Der Erlass des HMSI und HKM sieht kein Abweichen von der Coronavirus-Schutzverordnung § 6, bezüglich des Zutrittsverbotes von Kindergemeinschaftseinrichtungen (Schulen und Kindergärten) und anderer Einrichtungen vor.“

Weiter kann man der Homepage entnehmen, dass ein Zutrittsverbot für die Schule so lange gelten soll, wie Angehörige des gleichen Hausstandes einer Absonderung unterliegen. 

Dann heißt es aber wieder unter der Überschrift: „Information über die Möglichkeit der Absonderungszeitverkürzung bei Schülerinnen und Schülern

das die Möglichkeit der Quarantäneverkürzung u.a. bestehen soll, wenn

  • Der/die Schüler/in besucht eine Schule oder Ausbildungseinrichtung in der vorwiegend Minderjährige betreut werden,
  • Der/die Schüler/in ist selber infiziert,
  • Der/die Schüler/in hatte Kontakt zu einer infizierten Person aus dem eigenen Haushalt oder
  • Der/die Schüler/in hatte engen Kontakt zu einer infizierten Person während des Schulunterrichts
 

hier in der hier behandelten Konstellation war das Kind weder selbst infiziert, noch war es selbst erkrankt, noch bestand ein enger Kontakt mit einem Infizierten während des Schulunterrichts. Die Infektionsgefahr ist in der hier behandelten Konstellation für das Geschwisterkind offensichtlich geringer als in diesen Konstellationen.

Die Informationen auf der Internetseite sind daher schlicht unlogisch und nicht nachvollziehbar.

Entsprechend teilte eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamts auf telefonische Nachfrage am Mittwoch, dem 08.09.2021, mit, dass zu diesem Thema „nicht so viel gesagt werden soll“ und wenn sich die Rechtslage so darstellt, wie hier geschildert würde die Möglichkeit der Freitestung wohl auch für das schulpflichtige Kind bestehen.

Diverse Nachfragen an das Gesundheitsamt werden nur mit dem Verweis auf die Homepage beantwortet oder die Fragen werden missverstanden.

Wäre bei demselben Geschwisterkind der Sitznachbar in der Schule an Corona erkrankt gewesen, hätte es eindeutig die Möglichkeit sich nach 5 Tagen frei zu testen. Sogar, wenn der direkte Kontakt mit einem Infizierten im Privathaushalt stattgefunden hätte, dürfte sich dieses Kind für das Gesundheitsamt freitesten.

Diese Möglichkeit soll in der Konstellation eines Kindes, dessen Bruder bzw, Schwester mit einer erkrankten Person in der Kita Kontakt hatte, nicht bestehen. 

Volle 2 Wochen sollen diese Kinder der Schule fern bleiben.

Im Erlass vom 24.08.2021 heißt es eindeutig:

„Die Anordnung der Absonderung von Kontaktpersonen (Sitznachbarn) ist mit der Möglichkeit einer Freitestung zu verbinden.“

Laut Erlass können sich abgesonderte Kinder, die positiv auf Corona getestet worden sind, schon am 7. Tag nach dem positiven Test freitesten. Dazu sollen sich diese Kinder auf die Ausnahmeregelung des § 7 Abs. 6 hess. Corona-VO berufen können. Die Möglichkeit des Schulbesuchs soll dabei laut Erlass immer einen wichtigen Grund darstellen.

Die bestehenden Unstimmigkeiten können durch vernünftiges Verwaltungshandeln geheilt werden. Es ist an Schule und Gesundheitsamt die bestehenden Regelungen sinnvoll zu nutzen. 

Heute, Freitag, den 10.09.2021, heißt es auf der Internetseite des Gesundheitsamts:

bitte sehen Sie von Fragen bezüglich der Absonderungsverkürzung bei Kindern und Jugendlichen ab.

Haben Sie dazu Fragen oder Anregungen? Nutzen Sie gerne das Kontaktformular