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Dürfen Bilder vom Dîner en Blanc bei Facebook veröffentlicht werden?

 8. Juli 2015

Seit einigen Jahren hat sich in vielen Städten das Dîner en Blanc zu einem festen Bestandteil des Sommerprogramms gemausert. Ein Dîner en Blanc ist eine schöne Gelegenheit um mit vielen Menschen an einem öffentlichen Ort zu essen, zu trinken und Spaß zu haben. Auch für Fotografen ist ein Dîner en Blanc ein lohnenswertes Ziel, denn ein gemeinschaftliches Essen ganz in weiß ist auch ein schönes Fotomotiv.

Aber ein Dîner en Blanc ohne Menschen ist kein schönes Motiv und so stellt sich die Frage:

Darf ich Bilder von einem Dîner en Blanc, auf denen Personen erkennbar abgebildet sind,  in sozialen Netzwerken veröffentlichen?

Zu der Frage, wann Fotografien, auf denen Menschen erkennbar abgebildet sind veröffentlicht werden dürfen, hat der Gesetzgeber im sogenannten Kunsturhebergesetz (KUG) Regelungen getroffen.

Die Grundregel lautet:

„Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“

Hat man eine Fotografie einer Person gemacht, bedarf es also grundsätzlich der Einwilligung der abgebildeten Personen, wenn man das Bild öffentlich machen möchte.

Aber: Keine Regel ohne Ausnahme(n)

In § 23 des Kunsturhebergesetzes hat der Gesetzgeber Ausnahmen von diesem Grundsatz festgeschrieben.

Die Person der Zeitgeschichte

Zu diesen Ausnahmen gehört es zum Beispiel dass die Veröffentlichung solcher Fotografien, die eine absolute Person der Zeitgeschichte in erkennbarer Weise darstellen, veröffentlicht werden dürfen (Die Queen auf Deutschlandbesuch).

Daneben gibt es die sogenannte relative Person der Zeitgeschichte. Dort ist eine Person im Zusammenhang mit einem bestimmten Ereignis oder ein bestimmten Anlasses für eine begrenzte Zeit zur Berühmtheit geworden. Dann dürfen ohne Einwilligung des Abgebildeten erkennbare Fotografien im Zusammenhang mit diesem zeitgeschichtlichen Ereignis veröffentlicht werden.

Person nur als Beiwerk

Zweiter Ausnahme des § 23 Kunsturhebergesetz, ist die Ausnahme, nachdem es zulässig ist ein Bild zu veröffentlichen auf dem eine Person erkennbar ist, wenn die Person nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder einer sonstigen Örtlichkeit erscheint.

Dabei kommt darauf an, dass sich aus dem Gesamteindruck Fotografie ergibt, dass derjenige der erkennbar ist, nur bei Gelegenheit der Fotografie einer Örtlichkeit oder einer Landschaft mit fotografiert wurde.

Bilder von Versammlungen

Die dritte Ausnahme, die der § 23 des Kunsturhebergesetzes vorsieht, betrifft Bilder von Versammlungen, Aufzügen oder ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben.

Mit dieser Ausnahme kommen wir der Antwort auf die Frage, ob Bilder eines Dîner en Blanc auf denen Personen erkennbar sind veröffentlicht werden dürfen, schon näher.

Bei einem Dîner en Blanc versammeln sich Menschen. Eine bloß zufällige Ansammlung von Menschen lässt der Gesetzgeber für die Ausnahmeregelung aber nicht ausreichen. Bilder von Menschenansammlung, bei denen die Menschenansammlungen auf reinen Zufall zurückzuführen ist, fallen nicht unter die Ausnahme.

Entscheidend ist der Umstand, dass die Ansammlung von Menschen auf den kollektiven Willen zurückgeht, etwas gemeinsam zu tun.

Angenommen Sie fotografieren die Menschenansammlungen in einem Frankfurter U-Bahnhof. Dann fehlt es diesen Menschen an einem kollektiven Willen, etwas gemeinsam zu tun. Zwar möchte jeder mit der U-Bahn fahren, aber der Willen richtet sich nicht darauf, dass man das gemeinsam tun möchte, sondern die Gemeinsamkeiten erschöpfen sich darin, dass jeder von A nach B gelangen will. Auf die anderen Mitfahrer in der U-Bahn kann man meist gut verzichten.

An einem solchen kollektiven Willen etwas gemeinsam zu tun, fehlt es auch dann, wenn Sie die Menschenansammlung in einer Markthalle fotografieren. Hier wollen vielleicht alle Menschen einkaufen gehen, aber der Wille erstreckt sich eben gerade nicht darauf, dass etwas gemeinsam getan werden soll.

Wie verhält es sich nun beim Dîner en Blanc?

Beim Dîner en Blanc treffen sich Bekannte und Unbekannte zum Zweck des gemeinsamen Essens und Trinkens in weiß in der Öffentlichkeit. Damit sind die Voraussetzungen der Ausnahmeregelung des § 23 Abs. 3 Kunsturhebergesetz gegeben.

Fotografien eines Dîner en Blanc auf denen Personen erkennbar sind, dürfen prinzipiell veröffentlicht werden, aber es gibt auch hier Grenzen:

Die Rechtsprechung sieht jedoch nur insoweit eine Privilegierung vor, wie die Fotografie die Versammlung als Ganzes dokumentieren soll. Es ist zwar zulässig wenn man einen repräsentativen Ausschnitt aus der Gesamtveranstaltung wählt, jedenfalls wird man dann an die Grenze der Ausnahmeregelung kommen wenn nur noch wenige Personen auf dem Bild zu sehen sind und die Abbildung dieser Person gerade den Mittelpunkt der Fotografie darstellt.

Einer Veröffentlichung einer Aufnahme von einem Dîner en Blanc können im Einzelfall die berechtigten Interessen des Abgebildeten entgegenstehen.

Aufnahmen im höheren Interesse der Kunst

Abschließend möchte ich noch die vierte Ausnahme, die § 23 des Kunsturhebergesetzes vorsieht. erwähnen. Nach dieser Ausnahme dürfen die Bildnisse, also erkennbare Abbildung von Personen, die nicht auf Bestellung gefertigt sind, veröffentlicht werden, wenn die Veröffentlichung einem höheren Interesse der Kunst dient.

Berechtigte Interessen

Bei jeder Ausnahme vom Grundsatz ist eine Abwägung mit den berechtigten Interessen des Abgebildeten notwendig.

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