• Inkasso-Handbuch

Rezension Inkasso-Handbuch – Recht und Praxis des Inkassowesens

 4. September 2015

Inkasso-Handbuch – Recht und Praxis des Inkassowesens

herausgegeben von Prof. Dr. Walter Seitz

ISBN 978-3-406-51560-6

4. Auflage – 2015

Das von Herrn Prof. Dr. Walter Seitz herausgegebene und nunmehr in der 4. Auflage erschienene Inkassohandbuch befasst sich auf 582 Seiten ausführlich mit allen rechtlichen und praktischen Fragen des Inkassowesens. Der Schwerpunkt liegt dabei deutlich auf der Behandlung des deutschen Inkassowesens unter Berücksichtigung der aktuellen Fassungen des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) und des Einführungsgesetzes zum Rechtsdienstleistungsgesetz (RDGEG). Die Fragen des Inkassowesens Österreichs und der Schweiz werden am Ende des Buches jeweils in einem Kapitel als Überblick skizziert.

Die Darstellung des deutschen Inkassowesens erfolgt ausführlich und detailliert in vier Hauptteilen, beginnend im ersten Hauptteil mit der wirtschaftlichen Bedeutung, den Tätigkeitsbereichen und der Geschichte der deutschen Inkassobranche. Hier wird, nach einem Überblick über die Entwicklung der deutschen Inkassobranche und einer tiefgreifenden – auch historischen – Darstellung der gesetzlichen Grundlagen für die Erbringung von Inkassodienstleistungen, zunächst die interne Managementstruktur von Inkassounternehmen behandelt. Dazu werden vorweg anhand der Branchenstudie 2012 die wirtschafts- sowie justizentlastende Bedeutung von Inkassounternehmen aufgezeigt. Ausführlich werden anschließend die externen und internen Organisationsformen eines Inkassounternehmens sowie die berufsständischen Ausübungsvoraussetzungen wie z.B. die Voraussetzung der Registrierung, der Sachkundenachweise sowie der Ausbildungsmöglichkeiten anhand ihrer gesetzlichen Grundlagen behandelt. In weiteren Kapiteln des ersten Hauptteils befassen sich die Autoren des Inkassohandbuches mit den Aufgaben und Tätigkeitsfeldern eines Inkassounternehmens unter Abgrenzung zum Forderungseinzug durch Rechtsanwälte, mit den Inkassokosten und der Forderungseinziehung im Ausland unter Bezugnahme auf das europäische Recht. Hervorzuheben ist hier besonders die Thematik der Inkassokosten, der naturgemäß eine besondere Praxisbedeutung zukommt. Den Autoren ist es gelungen, beginnend mit einer genauen Differenzierung des Begriffes der Inkassokosten, auf verständliche Art und Weise die Struktur der Vergütungssysteme eines Inkassounternehmens sowie der im Rahmen eines Verzugsschadensersatzanspruches zu erstattenden Kosten zu veranschaulichen.

Im zweiten und größten Hauptteil behandelt das Inkassohandbuch die materiell-rechtlichen und prozessualen Probleme des Inkassorechts. Inhaltlich wird zunächst auf das Innenverhältnis, das Verhältnis zwischen Inkassounternehmen und Gläubiger eingegangen. Eine große Bedeutung lassen die Autoren hierbei den Bereichen des Inkassovertrages, der Allgemeinen Geschäftsbedingungen in Inkassoverträgen sowie der Vergütungsansprüche im Innenverhältnis zukommen. Gelungen ist den Autoren besonders die Herausarbeitung der Probleme der Allgemeinen Geschäftsbedingungen im Inkassobereich unter Bezugnahme auf einzelne Beispielsklauseln. Inhaltlich abgeschlossen wird der Bereich des Innenverhältnisses mit einem Kapitel über Sonderfälle unwirksamer Inkassoverträge. Im Anschluss an das Innenverhältnis wird das Verhältnis zwischen Inkassounternehmen und Schuldner und zu Dritten (Außenverhältnis) thematisiert. Ein Kernbereich dieses Abschnittes ist das konkrete Verhältnis zwischen Unternehmen und Schuldner, beginnend mit der Erlangung der Berechtigung zur Forderungseinziehung über Auswirkungen von Verstößen gegen das RDG oder Verstößen gegen die Berufsverschwiegenheit bis hin zu den Folgen dieser möglichen Verstöße. Weiterhin behandelt der zweite Hauptteil ausführlich die Möglichkeiten der Auskunftserlangung über Schuldner, nicht ohne dabei die Schranken der Auskunftserlangung zum Schutz des Schuldners außer Acht zu lassen.
Anschließend an das Außenverhältnis folgt die Darstellung der Kostenerstattungsansprüche. Hier wird zunächst auf die Grundlagen des materiell-rechtlichen Kostenerstattungsanspruchs eingegangen. Darauf aufbauend stellen die Autoren die Ansprüche aus Verzug sowie auf Schadensersatz für außergerichtliche Rechtsverfolgungskosten unter Benennung der jeweiligen Voraussetzungen und Grenzen dar. Insbesondere die Begrenzung der erstattungsfähigen Inkassokosten nach § 4 Abs. 5 RDGEG wird in einem eigenen Kapitel ausführlich und detailliert erörtert.
Der Darstellung der Kostenerstattungsansprüche folgt die Behandlung der Durchsetzung dieser Ansprüche. In drei Kapiteln werden umfassende inkassospezifische prozessuale Probleme von Streitverfahren, Probleme der Mahnverfahren sowie der Zwangsvollstreckung und Insolvenz aufgezeigt und mit Lösungswegen versehen.
Den Abschluss des zweiten Hauptteils bildet das internationale Inkassorecht unter Berücksichtigung der Besonderheiten bezüglich des Berufsrechts, von Inkassoverträgen und -abtretungen und des Ersatzes von Rechtsverfolgungskosten.

Im dritten Hauptteil behandeln die Autoren das Berufsrecht der Inkassounternehmen, beginnend mit einem geschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Berufsbildes und dessen Rechtsgrundlagen ab 1935 bis hin zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der ab 2008 geltenden Rechtslage in Form des RDG, des RDGEG und der RDV. Weiterhin werden in diesem Teil der Gesetzgebungsprozess zum RDG behandelt und die Auswirkungen des Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken auf das RDG behandelt.

Der vierte Hauptteil setzt sich mit Datenschutz in Inkassounternehmen auseinander und behandelt gezielt Detailfragen zum Umgang mit Schuldner- und Gläubigerdaten, zur Datenweitergabe an Dritte, zur Berichtigung, Sperrung und Löschung von Daten und zur Unternehmenstransparenz.

Der abschließende fünfte Hauptteil befasst sich, wie eingangs erwähnt, mit österreichischem und schweizerischem Inkassorecht und gibt darin einen Überblick über die jeweiligen gesetzlichen Grundlagen, die Durchsetzung von Forderungen sowie einen Überblick über die relevanten Teile der jeweiligen Zivilprozessordnungen.

Fazit:
Das Inkassohandbuch in seiner vierten Auflage ist ein umfassendes und das Inkassorecht abschließend behandelndes Werk, das sich sowohl für die Ausbildung als auch für die Praxis bestens eignet. Aufgrund seines ausführlichen und gut strukturierten Inhaltsverzeichnisses findet man schnell Antwort auf Einzelfragen, welche dann verständlich und doch mit der notwendigen inhaltlichen Tiefe zufriedenstellend beantwortet werden. Darüber hinaus bietet das Buch immer wieder Hintergrundinformationen historischer und aktueller Natur, welche das Verständnis des Inkassowesens in zusätzlicher Weise erleichtern und bereichern. Gerade auch für Praktiker dürfte der zweite Hauptteil des Buches interessant sein, der das materielle und das prozessuale Recht aus dem Blickwinkel des Inkassorechtes behandelt und die dabei auftretenden Probleme verdichtet und dazu in übersichtlicher Form Lösungswege bereitstellt.

Für diese Rezension wurde mir ein Exemplar des Buches vom Beck Verlag zur Verfügung gestellt.