„BILD für ALLE“

 22. Januar 2012

Mit diesem Slogan ist der Axel Springer Verlag zur Zeit auf der Suche nach Anzeigenkunden. Am 23.06.2012 droht der Verlag anlässlich des 60. Geburtstags des Revolverblatts mit einer Sonderausgabe, die an alle 41 Millionen deutsche Haushalte ausgeliefert werden soll. Dabei – und das wird vom Axel-Springer-Verlag besonders hervorgehoben – soll die Auslieferung der Jubiläumsausgabe auch an „Werbeverweigerer“ erfolgen, d.h. auch all diejenigen, die sich vor der Flut an Werbesendungen mit einem Aufkleber „Keine Werbung“ oder ähnlich schützen wollen, sollen am 23.06.2012 beglückt werden.

Dazu hat das OLG Hamm am 14.07.2011 entschieden (Az. I-4 U 42/11), dass der Hinweis „WERBUNG NEIN“ auf dem Briefkasten ohne eine anderslautende eindeutige Mitteilung der Briefkasteninhaber so auszulegen ist, dass kostenlose Anzeigenblätter auch mit losen Werbebeilagen in gesperrte Briefkästen eingelegt werden dürfen.

Das LG Lüneburg (Urteil vom 30.09.2011; Az. 4 S 44/11) hatte über einen Fall zu entscheiden, in dem der Kläger dem Verleger der Zeitschrift „EINKAUF AKTUELL“ schriftlich mitgeteilt hatte, dass er eine weitere Zusendung von „EINKAUF AKTUELL“ nicht wünscht. Trotz des ausdrücklichen Widerspruchs wurde die Zeitschrift weiter zugesendet. In dem Urteil wird festgestellt, dass die fortgesetzte Zusendung  einen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers darstellt und gegen § 7 des UWG verstößt.

Der Preis für eine ganzseitige Anzeige in dieser exklusiven Ausgabe beträgt läppische 4 Millionen Euro (vgl hier). Für alle, die kein Interesse an der Exklusivausgabe der Bildzeitung haben, hat der Kölner Kollege Schwartmann einen Musterbrief an den Axel-Springer Verlag online gestellt (hier). Sollte der Axel-Springer Verlag die Bildzeitung dann trotz des ausdrücklichen Widerspruchs in den heimischen Briefkasten einwerfen, kann der Verlag auf Unterlassung in Anspruch genommen werden.