Irreführende Produktabbildung ist untersagt!

 9. November 2015
von Christian Kramarz, LL.M.

Die Abbildung eines Produktes zur Verkaufsförderung auf einer Internetseite kann irreführend sein. Dies ist dann der Fall, wenn das das Produktbild als Blickfang dient und der Verbraucher aufgrund dessen annimmt, alles auf dem Bild gehöre zum Lieferumfang, dem aber tatsächlich nicht so ist.

Das OLG Hamm urteilte in seiner Entscheidung vom 4.8.2015, Az.: 4 U 66/15,  gegen eine Firma, die im Besitz von Warenhäuser für Haushalts- und Gartenartikel ist und diese auch über die Internetplattform „amazon“ vertreibt. Im konkreten Fall waren Sonnenschirme der Auslöser der Streitigkeit. Die Beklagte stellte auf der Internetplattform zu ihrer Produktbeschreibung ein Abbild des aufgestellten Sonnenschirms, inklusive der Betonplatten, die zur Beschwerung des Schirmständers dienen, ein. Eine andere konkurrierende Firma, ebenfalls mit Sonnenschirmen handelnd, verklagte das Unternehmen, da die Produktabbildung für jeden Verbraucher so zu verstehen war, dass die Betonplatten als Zubehör zum Lieferumfang gehören und im Preis mitinbegriffen seien.

Da dies aber gerade nicht der Fall war, gab das Gericht dem Kläger nach §8 Abs. 1 S.1, §3, §5 Abs. 1 S. 1 u. S. 2 N. 1 UWG aufgrund der irreführenden Werbeaussage, recht.

Produktabbildung als Blickfang

Irrelevant war die Tatsache, dass die beklagte Firma in der Produktbeschreibung des Sonnenschirms darauf hinwies, dass die Betonplatten nicht zum Lieferumfang gehören. Bei solchen Internetangeboten ist es üblich, dass eine solch präsentierte Abbildung des Produktes als Blickfang dienen soll und somit als maßgeblicher Teil der Produktbeschreibung gesehen wird. Um eine Irreführung der Verbraucher zu vermeiden, reicht es nicht den Irrglauben über den Lieferumfang in der Produktbeschreibung zu beseitigen, sondern nur durch sichtbare Hinweise an der Abbildung selbst.  Das Gericht entschied, dass ein Verbraucher bei solch einer Blickfangabbildung durchaus davon ausgehen kann, dass alles auf dem Blickfang abgebildeten Produktbild auch im Lieferumfang mitinbegriffen ist, da im Allgemeinen die Verbraucher an sofort funktionstüchtigen Produkten, ohne den Erwerb weiteren Zubehörs, interessiert ist. Ohne die abgebildeten Betonplatten funktioniert das Aufstellen eines Sonnenschirms nicht, weshalb der Verbraucher die Abbildung nur so verstehen konnte, dass die Betonplatten dazu gehören.

Volltext des Urteils hier nachzulesen.