Abmahnung Captain Fantastic

 31. Dezember 2016
von Christian Kramarz, LL.M.

Heute wurde mir eine Abmahnung der Kanzlei Waldorf Frommer aus München vorgelegt. Die Anwälte mahnen namens der Universum Film GmbH rechtswidrige Angebote des Films “Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück” ab. Dem Inhaber des Internetanschlusses wird vorgeworfen er habe den Film nicht nur auf seinen Rechner runtergeladen, sondern darüberhinaus anderen Internetnutzern zum Herunterladen von seinem Rechner angeboten.

Die Kanzlei Waldorf Frommer will durch einen beauftragen Ermittlungsdienstleister festgestellt haben, dass der Film “Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück” über ein Dateitauschprogramm angeboten wurde. Adressaten solcher Abmahnschreiben sind häufig überrascht, da der Zeitraum des rechtswidrigen Dateiangebots oft nur mit wenigen Sekunden angegeben wird.

Erfahrungsgemäß stoßen die Abmahner auf ganz unterschiedliche tatsächliche Umstände am Internetanschluss. Die Kanzlei Waldorf Frommer geht in ihrer Abmahnung davon aus, dass der Inhaber des Internetanschlusses für das Filmangebot verantwortlich ist. Tatsächlich sind aber die Fallkonstellationen viel häufiger in denen Dritte den Anschluss mitnutzen. Den Inhaber des Internetanschlusses trifft dann unter Umständen die Pflicht diesen Umstand der Gegenseite offenzulegen (Darlegungslast). Die Reichweite dieser Darlegungslast im Einzelfall ist umstritten. Der Bundesgerichtshof ist der Auffassung, der Anschlussinhaber müsse die Mitnutzer benennen und auch mitteilen, was eine Befragung dieser Mitnutzer erbracht hat.

Die Rechtsfragen rund um das sogenannte Filesharing beschäftigen die Gerichte schon seit Jahren.

Es lässt sich festhalten: Wer auf eine solche Abmahnung nicht reagiert, handelt fahrlässig. Auch eine Antwort, über deren Folgen der Verfasser nicht vollständig im Bilde ist, kann sich rächen.

Die aktuell zum Jahreswechsel 2016/2017 feststellbare Welle gerichtlicher Mahnbescheide zeigt: Abgemahnte müssen unter Umständen noch Jahre nach der Abmahnung mit gerichtlicher Inanspruchnahme rechnen.

Die Erfahrung zeigt: Wer von Anfang an einen Anwalt mit der Wahrnehmung seiner rechtlichen Interessen beauftragt hat, hat nicht nur weniger Arbeit und Stress, sondern fährt am Schluss häufig günstiger, als derjenige, der kurzfristig sparen möchte, sich aber langfristig einem teuren Gerichtsverfahren stellen muss.